Betonmauer
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Zukunftsorientierte Traditionalität

„feldhausarchitekten“ haben das ehemalige Kolpinghaus zum Bürogebäude umgebaut

Wer nur außen daran vorbeigeht, hat es womöglich noch gar nicht bemerkt: Das altehrwürdige und bei vielen Ibbenbürenern mit manchen schönen Erinnerungen verbundene Kolpinghaus an der Poststraße ist seit mehr als einem Jahr neuer Firmensitz des Architekturbüros feldhausachitekten.

Das ganze Jahr 2020 hindurch hat das ursprünglich in Riesenbeck beheimatete Architekturbüro das Traditionsgebäude behutsam für die eigenen Zwecke umgebaut und Anfang 2021 bezogen. Verteilt auf zwei Ebenen stehen den rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nun 450 Quadartmeter Nutzfläche für ihre kreative Arbeit zur Verfügung.

Die äußere Gestalt des Objektes ist trotz Umbaus und Sanierung nahezu unverändert geblieben. Und das macht auch Sinn, wie Architekt und Stadtplaner Simon Feldhaus erläutert: „Dass das Haus von außen so bleiben sollte, wie es die Ibbenbürener seit langer Zeit kennen, war uns sofort klar – es ist Stadtbild prägend und hat einen hohen Wiedererkennungswert im Ortskern.“ Der Hauptreiz des Projektes sei es dann auch gewesen, „neue Nutzung und bestehende Struktur miteinander in Einklang zu bringen“. Das architektonische Ergebnis der entsprechenden Bemühungen charakterisiert Simon Feldhaus als „zukunftsorientierte Traditionalität“. Soll heißen: Hier wird die neue Nutzung – also Büro mit allen technischen Standards – gewährleistet, ohne dabei das Vorgefundene, historisch Entstandene preiszugeben. Vielmehr werde die Planungsgeschichte des Gebäudes aufgegriffen und für Bewohner sowie Besucher erlebbar gemacht.

Feldhaus und sein Team erlebten die Umsetzung des Projektes als „Reise durch die konstruktive Geschichte“ des 1742 erbauten Gebäudes. „Ganz viel hohe Zimmermannskunst und anderes traditionelles Handwerk traten da zutage.“ Alte Mauern, noch älteres Fachwerk und überraschend gut erhaltene Holzdielen – es galt, sensibel mit der vorgefundenen Gebäudestruktur umgehen.

Sichtbare historische Elemente in den ansonsten modern gestalteten und ausgestatteten Büro-, Konferenz- und Aufenthaltsräumen sind vor allem die überall präsenten Fachwerkbalken. Darüber hinaus gibt es für den Kenner viele charmante Details der vorherigen Nutzung zu entdecken, darunter alte Thekenlampen und der Zapfhahn der Gaststätte, der nun zum Wasserspender umfunktioniert wurde.

Viel „positive Verwunderung“ im Hinblick auf die Umnutzung habe er erfahren sagt Simon Feldhaus, der das Bauen im Bestand als besonderes Steckenpferd bezeichnet: „Darin sehe ich die gegenwärtige und zukünftige Herausforderung für uns Architekten – das wird auch städtebaulich, sowie ökologisch wichtiger als Neubauten.“ Der Architekt betont, dass diese Bauweise immer auch ein gewisses Abenteuerpotential in sich birgt:: „Unsere erste Aufgabe ist es, den Bestand zu analysieren und zu verstehen – der Entwurf richtet sich dann daran aus.“

Bei der Umsetzung des Projektes „altes Kolpinghaus“ ging man allerdings über den bloßen Erhalt vorgefundener historischer Bausubstanz noch hinaus und drang in tiefere Ebenen der Gebäudegeschichte vor. So wurden Elemente, die bei der letzten Nutzung schon nicht mehr vorhanden waren, rekonstruiert. Beispiele sind Wände des Ursprungsgebäudes, die an alter Stelle wieder errichtet wurden, aber auch die farbliche Gestaltung der Außenfassade, wie Simon Feldhaus darlegt: „Wir haben uns anstelle des von unseren Vornutzern verwendeten Creme-Farbtons für den nachweislich historischen, ursprünglichen Anstrich in gebrochenem Weiß entschieden.“ Für das ganze Projekt sei es in diesem Zusammenhang ein großer Glücksfall gewesen, dass die architektonische Geschichte des Gebäudes so gut dokumentiert worden sei.

Zur Besichtigung des Objektes im Rahmen des Tages der Architektur laden feldhausarchitekten am Samstag, 18. Juni, von 9 bis 16 Uhr ein. Dabei wollen die Bauplaner nicht nur in kleinen Gruppen durch das Objekt führen, sondern auch die Schritte der Umbau-Umsetzung anhand einer Dokumentation mit vielen Fotos vor Augen führen. Feldhaus: „Indem wir Interessierten an diesem Tag nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin präsentieren, möchten wir auch ein bisschen für das Bauen im Bestand Werbung machen.“

Menschen, die nicht zuletzt einschlägige Kirmeserlebnisse mit dem alten Kolpinghaus verbinden, sollen ebenfalls nicht enttäuscht werden, versichert Architekt Feldhaus: „Schon zur kommenden Ibbenbürener Kirmes werden wir eine Möglichkeit schaffen, dass alle, die es wollen, ihr Getränk wieder in geselliger Runde vor ihrem alten Kolpinghaus genießen können.“

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